Zwänge – Verwandlung und Abgrenzung
Bad Reichenhall, April 2018
Diese folgenden fünf Arbeiten entstanden während meines Studiums bei Ingrid Jureit in Bad Reichenhall. Ausgangspunkt waren Skizzen von organischen Fundstücken – Holz, Steinen, Samenkapseln und anderen Naturformen. Aus ihren Linien, Verdichtungen und Verwerfungen entwickelten sich nach und nach körperhafte Gebilde, in denen sich ein sehr persönliches Thema zeigte: das Erleben von Zwang und der lange Weg, sich daraus zu lösen.
Die Werkgruppe ist eng mit meiner eigenen Biografie verbunden. Sie steht sinnbildlich für eine Lebensphase, die von innerem Druck, Bindungen und dem Gefühl geprägt war, den eigenen Raum nicht vollständig einnehmen zu können. Um mich weiterzuentwickeln, musste ich mich aus diesen Strukturen lösen und einen selbstbestimmten Weg finden. Im Rückblick erkenne ich jedoch, dass auch diese Erfahrung Teil meiner Entwicklung geworden ist. Was mich zunächst einengte, setzte schließlich eine Veränderung in Gang und führte mich näher zu mir selbst.
Die Bilder entstanden in einer festen Reihenfolge und erzählen diesen inneren Prozess.
Im ersten Bild erscheint der Zwang als unmittelbarer Druck. Die Formen stehen dicht aneinander, werden zusammengepresst und von einem dunklen, fast bedrohlichen Umfeld umschlossen. Rote Linien durchziehen das Bild wie Wunden, Fesseln oder ein Geflecht, aus dem es zunächst keinen Ausweg zu geben scheint.
Im zweiten Bild beginnt der Widerstand. Die Form zieht sich zurück, umhüllt sich und bildet eine Art Kokon. Dieser Rückzug ist jedoch keine Kapitulation. Er wird zum geschützten Raum der Verwandlung. Trotz der dunklen Verdichtung besitzt das Bild eine unerwartete Leichtigkeit – als wäre die Befreiung bereits angelegt.
Das dritte Bild zeigt eine größere Distanz. Die bedrängenden Formen können nun von außen betrachtet werden. Die Frage entsteht, wie es möglich war, diesen Zustand so lange auszuhalten. Gleichzeitig wird sichtbar, dass aus der Erfahrung etwas Neues hervorgegangen ist: eine eigene Gestalt, ein eigener Körper und eine eigene Haltung. Der Zwang wird nicht verklärt, aber als Teil einer Entwicklung anerkannt.
Das vierte Bild der Entstehungsfolge führt noch einmal zurück in das frühere Erleben. Erinnerungen und Gefühle brechen erneut auf. Es ist ein vorübergehender Rückfall in die alte Enge – ein erneutes Durchleben dessen, was längst überwunden schien. Doch dieser Rückblick geschieht nun aus einer anderen Position: Das Vergangene kann betrachtet werden, ohne wieder vollständig darin zu verschwinden.
Das letzte entstandene Bild zeigt schließlich eine sitzende Figur mit übereinandergeschlagenen Beinen. Ihre Haltung wirkt gesammelt und entschieden. Sie kämpft nicht mehr gegen das Vergangene an. Sie sagt: So war es. Es gehörte zu meinem Leben. Ich nehme es an – aber ich lasse nicht länger zu, dass es mein Leben bestimmt. Aus dem früheren Widerstand ist die Fähigkeit entstanden, sich abzugrenzen.
Die fünf Arbeiten erzählen damit keine geradlinige Befreiungsgeschichte. Sie zeigen Druck, Rückzug, Verwandlung, Rückfall und schließlich Annahme. Befreiung bedeutet hier nicht, die eigene Herkunft oder Vergangenheit abzuweisen. Sie bedeutet, deren Wirkung zu erkennen und dennoch den eigenen Raum einzunehmen.
Acryl auf Leinwand, jeweils 80 × 100 cm beziehungsweise 100 × 80 cm
Entstanden bei Ingrid Jureit in Bad Reichenhall
Sämtliche Bilder können käuflich erworben werden.
Material : Acrylfarbe auf Leinwand 80cm x 100cm bzw. 100cm x 80xm
Der Preis pro Bild beträgt 2.750 € zzgl. 10% NK und 7% Mwst.