Waldfrauen

Bad Reichenhall, Oktober 2017

Die Serie Waldfrauen entstand im Oktober 2017 in Bad Reichenhall während einer Arbeitsphase bei der Künstlerin Ingrid Jureit.

Am Anfang standen keine Figuren, sondern Naturformen: knorrige Äste, Verzweigungen, Bruchstellen, Linien, die sich gabeln, wachsen, verhaken oder auseinanderstreben. Aus diesen Beobachtungen entwickelten sich nach und nach weibliche Gestalten – Wesen zwischen Körper, Pflanze, Stein und Wald.

Die Waldfrauen markieren in meiner Arbeit einen frühen Übergang ins Figürliche. Der menschliche Körper tritt hervor, bleibt aber noch eng mit der Natur verbunden. Die Figuren erscheinen nicht als getrennte Personen vor einem Hintergrund, sondern als Wesen, die aus ihrer Umgebung herauswachsen. Äste werden zu Haaren, Verzweigungen zu Kronen, Körper zu Landschaften, Gliedmaßen zu Wurzeln oder Tastorganen.

In dieser Serie ist bereits etwas angelegt, das meine Arbeit bis heute begleitet: die Frage, wo der Mensch endet und die Natur beginnt. Die Waldfrauen sind keine Porträts im klassischen Sinn. Sie sind Zwischenwesen. Sie tragen etwas Märchenhaftes, manchmal Trollhaftes, manchmal Sonnenhaftes, manchmal Dunkles in sich. Sie sind verletzlich und stark zugleich, gebunden und doch eigenständig.

Besonders in den späteren Bildern beginnt sich die klare Trennung von Figur und Hintergrund aufzulösen. Körper und Raum verschmelzen. Die Linie verliert ihre reine Begrenzungsfunktion und wird zu Spur, Verbindung, Geäst, Bewegung. Damit kündigt sich bereits jener Bildraum an, der in meinen heutigen Arbeiten weitergeführt wird: der Mensch als Teil eines größeren Geflechts – verwoben mit Natur, Erinnerung, Körper und Landschaft.

Die Waldfrauen sind für mich deshalb nicht nur ältere Arbeiten. Sie sind ein Ursprung. Eine erste sichtbare Form jener Verbindung von Frau, Natur und innerer Landschaft, die sich Jahre später in meinen Arbeiten zu Körper-Landschaften, Bergrücken und Verwobenheit weiter entfaltet.